Katastrophenschutz-Simulationstraining im BayZBE

Simulation als Schlüssel zur Notfallvorsorge

Naturkatastrophen, Terroranschläge, Pandemien und ähnliche Ausnahmesituationen treten für gewöhnlich vollkommen unvorbereitet ein. Diese offenkundige Tatsache erschwert Einsatzkräften die gezielte Schulung für solche Gefahrensituationen immens. Es stellt sich die Frage: Wie soll man sich auf etwas vorbereiten, dessen genauen Umstände und Auswirkungen nicht absehbar sind? Das BayZBE bietet mit seinem technisch fortschrittlichen Simulationszentrum einen äußerst vielseitigen Lösungsansatz für dieses Dilemma.

Es gab ein Attentat. Mehrere uniformierte Rettungskräfte sind neben einem umgestürzten Linienbus zu sehen. Sie hocken neben einem bewusstlosen, offensichtlich schwer verletzten Passanten und leisten Erste Hilfe. Auf den ersten Blick verdeutlicht sich: Die Situation ist kritisch, jede Sekunde zählt. Auf der belebten Straße sind entgegenkommende Autos zu erkennen. Reifen quietschen, es wird gehupt, Schreie sind zu hören. Die ganze Szenerie ist mit flackerndem Blaulicht und ohrenbetäubendem Sirenengeheul untermalt. Die Sanitäter checken die Lebenszeichen des Verletzten, besprechen hektisch die Lage und tauschen hastig Informationen aus. Der Stress und die Anspannung sind ihnen anzusehen. Sie beschließen, schnellstmöglich Kontakt mit der Zentrale aufzunehmen: wichtige Instruktionen und weitere Unterstützung werden dringendst gebraucht. Zumal auch nicht geklärt ist, wo sich der oder die Attentäter befinden, ob sie noch hier sind oder vielleicht wiederkehren. Die Lage ist kaum einschätzbar, schwer kontrollierbar. Menschenleben sind in Gefahr. In einer solchen Grenzsituation sind alle Handgriffe, jede Information und vor allem das perfekte Zusammenspiel der Einsatzkräfte von entscheidender Bedeutung. In such a critical situation, every move, every piece of information and the perfect interaction of the emergency forces are of decisive importance.
Schnitt. Wir sehen nun eine Gruppe von Menschen, die im Halbkreis sitzend das beschriebene Szenario über ein Smartboard beobachten. Und trotz der drastischen Ereignisse, die auf der Leinwand zu erkennen sind, bleiben sie ganz ruhig, betrachten das Geschehen, machen sich Notizen und diskutieren das Gesehene. Die dargestellten Bilder scheinen sie mehr zu interessieren, als zu beunruhigen. Warum? Weil es nicht real ist. Obwohl es so durchaus real wirkt. Es handelt sich um eine Videoaufzeichnung. Genauer gesagt um ein Recording eines Simulationstrainings, das Stunden zuvor stattgefunden hat. Wir befinden uns in einem Debriefing-Raum, wo die Nachbesprechung einer Terror-Simulationsübung durchgeführt wird. Der Bildschirm des Smartboards umfasst dabei mehrere Teilabschnitte, die jeweils unterschiedliche Perspektiven des Geschehens darstellen. Mittels eines Tablets stoppt oder beschleunigt der Instruktor die Aufzeichnung nach Bedarf, wechselt die Video- und/oder Audiospuren und springt zu zuvor gemachten Anmerkungen und Notizen. Die Anwesenden können so jeden Aspekt des aufgezeichneten Simulationstrainings – jede Bewegung, jeden Ablauf, jegliche Kommunikation – minutiös einsehen, messen, besprechen und bewerten. So funktioniert Katastrophenschutzausbildung im 21. Jahrhundert.

Das BayZBE – ein Zentrum für Innovationen

Die geschilderten Szenen – der simulierte Terroreinsatz sowie das separat geführte Debriefing – finden im BayBZE, dem Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen, statt. Das Gemeinschaftsprojekt mehrerer Hilfsorganisationen (ASB, BRK, JUH und MHD) und des Bayerischen Innenministeriums, das 2019 am Standort Windischeschenbach in der nördlichen Oberpfalz eröffnet wurde, bietet Einsatz- und Führungskräften der bayerischen Hilfsorganisationen die Möglichkeit, sich auf außergewöhnliche Krisensituationen mittels vielfältig gestaltbaren Trainings gezielt vorzubereiten. Als dezentral organisiertes Lehr-, Trainings und Kompetenzzentrum hat man sich auf professionelle Simulationstrainings und Simulationsauswertung von ganz besonderen Einsatzlagen – wie Terror und Amok, aber auch Pandemien und Naturkatastrophen – spezialisiert. Zweck der Übungen ist es, dass Einsatzkräfte in absolut realistisch wirkenden Simulationsschulungen wichtige Fertigkeiten und Prozesse einstudieren und ergänzend dazu in separaten Debriefing-Einheiten diese Trainingsabläufe mit der Hilfe komplexer AV-Systeme nachvollziehen, evaluieren und verbessern können. Speziell zweiteres – die fundierte Analyse in Form eines Debriefings – ist entscheidend, um aus dem singulären Erlebnis des Trainings auch einen maximalen und vor allem langfristigen Lernerfolg für die Teilnehmer zu erzielen.
Das BayZBE liefert mit seinen Angeboten einen wirkungsvollen Lösungsansatz für ein akutes Problem: nämlich wie sich Einsatzkräfte auf Gefahrensituationen, die per se unvorhersehbar und schwer kontrollierbar sind, sinnvoll und effektiv vorbereiten können. Mit seiner 1.500 m² Innen- und 500 m² großen Außenfläche – das BayZBE zählt zu den größten Simulationszentrum Europas – stellt das BayZBE den Einsatzkräften nicht nur den nötigen Raum, sondern auch vielfältige Gestaltungselemente (bspw. voll ausgestattete Rettungswagen) und das perfekt abgestimmte Audio-Video-Equipment zur Verfügung, um die Praxistrainings für Führung, Taktik, Organisation und Kommunikation vollkommen flexibel und angepasst auf die jeweiligen Trainingszielsetzungen durchführen zu können. Nicht umsonst gilt das übergreifend und flächendeckend agierende BayZBE mit seiner Ausstattung, Infrastruktur und den damit verbundenen Ausbildungsmöglichkeiten mittlerweile europaweit als anerkannter Inkubator für Innovationen und Entwicklungen in den Bereichen Simulation, Einsatzschulung und Katastrophenschutztraining und genießt auch weit außerhalb der Grenzen Bayerns großes Ansehen. Dieses Renommee ist das Ergebnis jahrelanger Planung und harter Arbeit. Und zudem ist es das Ergebnis einer äußerst intensiven und fruchtbaren Zusammenarbeit.

BayZBE, SIMStation & Axis – Partner der Innovation

Die Zusammenarbeit zwischen dem BayZBE und SIMStation nahm seinen Anfang mit einer Projektausschreibung, die SIMStation 2018 für sich entscheiden konnte. Der ursprüngliche Auftrag sah vor, den geplanten Ausbau des Zentrums mit der Integration eines komplexen AV-Systems zu koppeln. Entwickelt hat sich daraus eine langfristige Partnerschaft mit dem engagierten Ziel, kontinuierlich neue und innovative Entwicklungen umzusetzen und so die Simulationstechnik insgesamt voranzutreiben. Die gemeinschaftliche Umsetzung des motivierten Unternehmens umfasste dabei von der Beratung und Planung bis zur Installation, Inbetriebnahme und Wartung sämtliche Aspekte des Projekts. Das heutige Ergebnis (Weitere Entwicklungen sind in Planung!) stellt eine der bislang umfangreichsten SIMStation Anlagen weltweit dar. Zum Einsatz kommt ein maßgefertigtes AV-System, das im Speziellen aus einer individuell eingerichteten SIMStation Enterprise und einer damit voll kompatiblen und mobil einsetzbaren SIMStation Pro Gen 2 besteht. Mehrere frei gestaltbare Simulations-, (teils mobile) Kontroll- und Debriefing-Plätze können dabei je nach Anforderung über das SIMNet intelligent miteinander vernetzt und so individuell kombiniert und genutzt werden. Besonders die Möglichkeit des flexibel gestaltbaren AV-Systems garantiert zahlreiche, schnell und einfach durchführbare Anwendungsmöglichkeiten.
All diese Vorteile erlauben dem BayZBE nicht nur, perfekt auf konkrete Anforderungen und anvisierte Lernziele der Simulationsteilnehmer und Trainingskonzepte eingehen zu können, sondern ermöglichte sogar die Etablierung eigener Einführungskurse in die allgemeinen Grundlagen von technischen Simulationssystemen. Die Teilnehmer werden hierbei mit dem theoretischen Hintergrund der intuitiv nutzbaren Technik vertraut gemacht, sodass sie in weiterer Folge vollkommen eigenständig Simulationen gestalten und durchführen können. All dies ist nur möglich durch die kompromisslos anwendungsorientierten System-Lösungen, die im BayZBE zum Einsatz kommen. Diese werden realisiert durch ein Zusammenspiel der funktionsreichen SIMStation Software und vieler hochwertiger Hardware-Komponenten; letzteres umfasst innovative High-End-Hardware, wie sie etwa unser langjähriger und exklusiver Partner Axis im Bereich Kameratechnik liefert. Die Kombination aus zuverlässiger Funktionalität und individuell einsetzbaren Produktlinien – im Falle von BayZBE die Dome-Netzwerk-Kameras des Typs AXIS Q6125-LE sowie Bullet-Kameras der AXIS P14-Serie – garantiert dabei beste Übertragungsergebnisse und überzeugt durch die überraschend einfache Anwendung. Das zugrundlegende Prinzip: Just plug in and simulate! The basic idea: Just plug in and simulate!

Die technische Umsetzung im Detail

Die konkrete Ausstattung der SIMStation Anlage im BayZBE spricht für sich. 44 HD-Kameras von Axis, die meisten mit 360° Steuerung und Hochleistungszoom ausgestattet, geben auf montierten Stativen perfekten Ein- und Überblick in jeden Winkel des Simulationsgeländes. Selbst bei verdunkelten Lichtverhältnissen garantiert die integrierte Infrarot-Technik eine gestochen scharfe Bildqualität. Ergänzt wird die dadurch erreichte, lückenlose Übersicht durch zahlreiche Tonspuren, die von 24 Raummikrofonen und 40 drahtlose Headset-Mikrofonen aufgezeichnet werden. Dies ist besonders wichtig, da für die valide Auswertung eines Simulationstrainings das Recording der Teilnehmerkommunikation unumgänglich ist. Digitale Dante®-Technologie und auditive Optimierungsverfahren wie Acoustic Echo Canceling und Background Noise Compensation sorgen dabei für eine verlust- und latenzfreie sowie absolute fehlerfreie Übertragungsqualität.

Hochwertige AV-Hardware verbessert nicht nur die Aufzeichnung, sondern steigert auch die Realitätsnähe der Simulationsszenarien.

Wandlautsprecher in allen Räumen erzeugen immersive Klangwelten – von Umgebungsgeräuschen bis hin zu Live-Anweisungen der Trainer.

Eine großformatige LED-Wand (8,0 × 4,5 m) ermöglicht äußerst realistische visuelle Simulationsumgebungen.

Fahrzeuge wie Busse und Rettungswagen sind vollständig in das Simulationskonzept integriert.

Axis-Kameras, Mikrofone und Lautsprecher sorgen für eine lückenlose audiovisuelle Abdeckung in allen Trainingsbereichen.

In Kombination mit strukturierten Debriefings gewährleisten diese immersiven Szenarien maximalen Lernerfolg.

Gesteuert werden sämtliche Hardware-Komponenten von den (teils mobilen) Kontroll-Plätzen mittels der SIMStation Software. Diese realisiert nicht nur die problemlose Gestaltung, Durchführung und Analyse der Simulationen, sondern wurde zudem um nützliche Zusatzfunktionen wie Personen-Tracking erweitert. So können beispielsweise die genauen Standorte und Bewegungsabläufe der Simulationsteilnehmer jederzeit registriert, aufgezeichnet und analysiert werden. Das überzeugende Resultat: angewandte Simulationstechnik am modernsten Stand. Beste Voraussetzungen also, um sämtliche Aktionen und Interaktionen von Einsatzsimulationen in geführten Debriefings in aller Ruhe zu besprechen. Und so perfekt vorbereitet zu sein: für den möglichen Ernstfall.

Mehr zur BayZBE-Fallstudie

Übrigens: Weitere wertvolle Einblicke über das BayZBE – speziell über die verwendete Kamera-Technologie – finden Sie auch in der Fallstudie unseres Partners Axis. Lesen Sie rein, es lohnt sich auf alle Fälle!